Writers & Lovers, Lily King

Hätte mir nicht eine Freundin mit ähnlichem Lesegeschmack das Buch empfohlen, ich wäre wohl nach den ersten dreißig Seiten ausgestiegen. Am Anfang habe ich mich wirklich schwer getan, aber dann hat es ’Klick’ gemacht und die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Die Protagonistin Casey erzählt in Ich-Form von ihrem aus der Bahn geratenen Leben. Sie schlägt sich als Kellnerin durchs Leben, wohnt in der Garage eines Bekannten und hat noch nicht einmal eine Krankenversicherung, dafür aber jede Menge Schulden. Die Trennung von ihrem Freund und der plötzliche Tod ihrer Mutter haben sie in ein emotionales Chaos gestürzt, und als wäre das alles nicht schon genug, schafft sie es nicht, den Roman, an dem sie seit sechs Jahren arbeitet, fertig zu schreiben. Ihre Freundin Muriel und ihre Arbeitskollegen sind ihr einziger Halt. Dann tauchen zwei sehr gegensätzliche Männer in ihrem Leben auf, der eine erfolgreicher Autor, Witwer und Vater von zwei süßen Söhnen, der andere charmant, aufregend und unzuverlässig. Gleichzeitig bringen die Arztbesuche, die dank kurzzeitiger Versicherung möglich werden, alles andere als positive Ergebnisse …

In diesem Spannungsfeld versucht die knapp dreißigjährige Casey, ihr Leben zu sortieren und ihren Weg zu finden. King schreibt sehr anschaulich – so habe ich jetzt ein gutes Bild vom Job einer Kellnerin und eine Ahnung davon, wie es in der Küche eines Lokals zugeht. Ich werde nun mit anderen Augen essen gehen – wenn wir wieder dürfen …

Auch Caseys emotionale Achterbahnfahrten konnte ich sehr gut nachvollziehen, ebenso wie ihre Ängste und Hoffnungen rund um ihr Romanmanuskript. Das alles liest sich spannend, ist gut formuliert und lässt einen zwischendurch auch mal kräftig grinsen. Nur das Ende ist mir ein bisschen zu glatt gebügelt. Insgesamt aber sehr lesenswert.

Der Weg zum eigenen Buch – 1

 

Kapitel 1: Die Anfänge oder warum Lernen immer Sinn macht.

Diesen Sommer wird es passieren: Mein erster Roman wird erscheinen. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass der Weg zum eigenen Buch so lang und steinig ist. Viele Menschen würden gerne ein Buch schreiben und so mag es einige von euch vielleicht interessieren, etwas zum Werdegang (m)eines Romans zu lesen. Ich werde kapitelweise berichten. Heute geht es los mit den Anfängen – wie sich das gehört.?

Schon als kleines Mädchen hatte ich den Traum, ein Buch zu schreiben. Rudimentäre Aufzeichnungen, in eselsohrige Kladden geschrieben, habe ich neulich beim Aufräumen wiedergefunden – zum Glück war niemand dabei – es waren beschämende Versuche. Als Kind habe ich die übliche Mädchenliteratur verschlungen: Trotzkopf, Hanni und Nanni, Pucki unser Mütterchen (Hilfe, was für ein Titel!!!), aber auch Fünf Freunde, nahezu alle Bände von Karl May und andere Abenteuergeschichten. Ich habe gelesen, gelesen, gelesen, aber nach den kläglichen ersten Versuchen das Thema Romanschreiben erst mal ad acta gelegt. Die große Freude am Umgang mit Worten und am Verfassen von Texten ist mir über all die Jahre jedoch geblieben. Und nach dem Ende der Berufstätigkeit lebte der Traum vom eigenen Buch wieder auf, drängender denn je zuvor.

Zum Glück war ich so schlau, zunächst ein Fernstudium Belletristik zu absolvieren. Hatte ich ursprünglich gedacht, nach Germanistikstudium und viel Textarbeit in meinen Berufsjahren bräuchte ich das vielleicht gar nicht, so wurde ich bald eines besseren belehrt – ich habe seeeeehr viel gelernt und schnell begriffen, dass Schreiben nicht gleich Schreiben ist. Und einen Roman zu verfassen es wirklich in sich hat. Aber genau das wollte ich nun! Doch worüber sollte ich schreiben? Kein Thema sprang mich wirklich an. Bei einer Freundin habe ich gejammert: Ich würde ja schreiben, wenn ich nur wüsste, worüber. Danke, Heike, für deine Geduld und die Ermutigung! Bis ich dann eines Tages die zündende Idee hatte. Darüber mehr beim nächsten Mal! (Das nennt man Cliffhanger?)