Die Autorin hat ihren Mann und ihre beiden kleinen Kinder bei einem Verkehrsunfall verloren. Wie kann man nach so einem tragischen Ereignis weiterleben? Ich hatte von dem Buch schon vor langer Zeit gehört, aber es drängte mich nicht, es zu lesen. Nun wurde die Geschichte gerade verfilmt, und ich wurde erneut darauf aufmerksam.
Das Buch beginnt mit der Schilderung eines glücklichen Familienlebens, gefolgt von dem brutalen Schnitt mit dem Unfall an einem Bahnübergang, durch den die Autorin ihre Familie verliert. Nur wenige Tage nach dem Unglück schreibt Barbara Pachl-Eberhart einen langen Brief an einen großen Verteiler, ihre Verwandten und ihre Freunde, um sich mitzuteilen. Schonungslos und rückhaltlos legt sie ihre Gefühle offen. Auch bei den Medien landet dieses Dokument und wird dadurch weit verbreitet. Unzählige Menschen sind geschockt, schreiben ihr, sprechen ihr Trost zu, spenden Geld. Aber sehr lange ist die Autorin nicht in der Lage, sich bei irgendjemanden zu melden, sich zu bedanken, in irgendeiner Form am Leben teilzunehmen. In ihren Gedanken hält sie ständig Zwiesprache mit ihrer Familie. Obwohl sie nicht im klassischen Sinne gläubig ist, ist sie überzeugt davon, dass es allen dreien gut geht, dort, wo sie jetzt sind. Statt einer Beerdigung richtet sie ein Seelenfest aus, es soll eine fröhliche Feier werden.
Danach beginnt der unglaublich harte Alltag. Pachl-Eberhart kämpft nicht nur mit ihrem Schmerz und ihrer Trauer, die Anforderungen des täglichen Lebens wachsen ihr zunehmend über den Kopf. Das ist unglaublich eindringlich und einfühlsam beschrieben, sehr ergreifend. Und auch klug. Sie reflektiert sich ständig. Immer, wenn ich dachte, hm, diese Aktion oder diesen Gedankengang finde ich etwas befremdlich, nimmt sie die Gegenstimme ein und setzt sich kritisch mit dem auseinander, was sie gerade getan oder geschrieben hat.
Die Autorin begreift, dass Trauer nicht linear verläuft, sie wird nicht langsam besser, sondern bewegt sich in großen und kleinen Wellen. Aber sie lernt auch, dass die Gefühle in Dosen, die man verkraften kann, kommen. Und sie schafft es, sich immer wieder aufs Neue auf das Leben einzulassen, sieht bei allem Verlust auch das, was ihr geblieben ist. So bleibt man als Leser nicht nur erschüttert zurück, sondern ist auch beeindruckt von dem Mut, der Zuversicht und der Lebenskraft der jungen Frau. Das hat etwas Tröstendes.









