Das Buch knüpft an den Vorgängerroman „Wir sind doch wer“ an. Den hatte ich, im Vergleich zu den vorherigen Gesthuysen-Romanen, schon recht mittelmäßig gefunden. Der aktuelle hat mich noch ein bisschen mehr enttäuscht, zumindest als Ganzes. Gesthuysen schreibt lebendig, locker und gut lesbar über ein Dorf und seine Bewohner und fängt die für den Niederrhein typische Mentalität sehr gut ein. Einzelne Kapitel habe ich gerne gelesen, aber mir fehlte ein Gesamtkonzept. Erst im Nachwort habe ich wirklich begriffen, um was es der Autorin ging, was die Kernaussage des Buches ist. Zu viele Themen gibt es, zu viele Personen tauchen auf.
Im Mittelpunkt steht einesteils Anna von Betteray, eine geschiedene junge Frau, die seit einiger Zeit als evangelische Pastorin in dem Dorf arbeitet. Andererseits die 17-jährige Raffaela, die nach einem rätselhaften Sturz im Koma liegt. Schon als Kleinkind hatte sie einen schweren Unfall und leidet seitdem unter kognitiven Beeinträchtigungen. Sie wird von ihrer Mutter Heike, die sich an dem Unglück schuldig fühlt, versorgt und überbehütet. Auch der Bruder kümmert sich aufopferungsvoll. Nach dem mysteriösen Sturz der jungen Frau schaltet sich der Kommissar ein und nimmt Ermittlungen auf.
Annas Mutter würde sie zu gerne mit einem adeligen Ehemann verheiraten, doch das ist gar nicht in deren Sinne. Von den Dorfbewohnern wird sie mit mehreren Männern gleichzeitig in Verbindung gebracht und bietet somit reichlich Stoff für die Gerüchteküche. Das ist teilweise bemüht lustig, bei mir hat es jedenfalls nicht richtig gezündet. Irgendwie werden noch die Themen Gendern, Homosexualität, Alkoholismus und Beichtgeheimnis untergebracht. Neben Anna und Raffaela gibt es einen dritten Protagonisten, den eigentlichen Star, Freddy. Das ist der Golden Doodle von Anne (und von der Autorin!), dem Gesthuysen mit viel Herzenswärme und Augenzwinkern immer wieder nette Szenen widmet. Die Lektüre ist also stellenweise recht unterhaltsam, aber insgesamt nicht überzeugend.









