Bettina Flitner ist ein Multitalent. Sie ist eine vielfach ausgezeichnete Fotografin und Filmemacherin. Und sie schreibt unglaublich gut. In ihren Büchern „Meine Schwester“ und „Meine Mutter“ erzählt sie aus ganz persönlicher Perspektive über den Suizid ihrer Schwester und den ihrer Mutter.
Im Buch über die Mutter taucht die Autorin ganz tief in die Familiengeschichte ein, liest Tagebücher und Schriftstücke von Großeltern und Tanten und fährt ins ehemalige Niederschlesien, wo die Mutter ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, bevor die Familie fliehen musste. Das Leben der Mutter bestand aus vielen Traumata und Schicksalsschlägen und war immer wieder geprägt von Phasen tiefster Niedergeschlagenheit; die Autorin beschreibt zum einen dieses Leben und zum anderen, wie sie verzweifelt bemüht ist, sich nicht in diesen verderblichen Sog mit hineinziehen zu lassen. Nicht nur ihre Mutter und ihre Schwester, zahlreiche andere Familienmitglieder sind zuvor freiwillig aus dem Leben geschieden.
Im Buch über die Schwester erzählt die Autorin, wie ihre Schwester und sie in den 60igern und 70igern aufgewachsen sind, in einer intellektuell ausgerichteten Familie. Die Ehe der Eltern ist von Freizügigkeit und wechselnden Partnern geprägt – dem Vater geht es damit gut, die Mutter kämpft immer wieder mit einem Wechsel aus Hochgefühlen und Depressionen. Die Schwestern sind von den oft undurchschaubaren Stimmungen im Elternhaus überfordert, geben sich aber gegenseitig Halt und Stütze. Zumindest in ihren Kinderjahren. Später wird der Kontakt zunehmend dünner, und während die Autorin gut im Leben steht, verliert die Schwester immer mehr den Halt.
Das ist differenziert und feinfühlig, oft auch mit einer Spur Schnoddrigkeit und trockenem Humor, erzählt. Es sind sehr intime, schonungslose Bekenntnisse. Und bei aller Traurigkeit lesen sich die beiden Bücher unglaublich gut. Ich habe (zufällig) mit dem Buch über die Schwester begonnen, es hat mir eine Spur besser gefallen als das über die Mutter, das zwischendrin auch mal Längen hat. Aber großartig geschrieben sind beide Bücher.









