„Elizabeth Strout zeigt sich mit ihrem neuen Roman auf dem Höhepunkt ihres Könnens,“ schrieb der Kölner Stadtanzeiger im März 2026. Und ich bin auch wirklich erneut begeistert von der Art und Weise, wie Strout ihre Geschichten erzählt. Alte Bekannte aus ihren vorherigen Romanen tauchen wieder auf: die etwas schrullige, inzwischen 90-jährige Olive Kitteridge, die sensible Schriftstellerin Lucy Barton, der gutmütige Anwalt Bob Burgess und sein Bruder Jim, eine sehr schillernde Figur. Aber auch ohne die Vorgeschichten zu kennen, lässt sich der Roman problemlos lesen, er steht für sich.
Um was geht es in den Geschichten, die Strout über die Charaktere in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Maine erzählt? Das lasse ich die Protagonistin Lucy Barton beantworten: „Menschen und das Leben, das sie führen. Das ist die Botschaft.“ Dabei kommen die Themen, die die Menschheit bewegen, zur Sprache – Einsamkeit, Alter, Tod, Trauer, aber auch Liebe, Freundschaft, Freude, Zusammenhalt und Hoffnung – große Gefühle. Auch ein ungeklärter Mordfall spielt eine Rolle: Bob Burgess übernimmt die Verteidigung eines Mannes, dem der Tod seiner Mutter zur Last gelegt wird. So entfaltet sich ein weiteres Leben vor dem Leser, das eines krassen Außenseiters, der von vielen Menschen sofort als Schuldiger angesehen wird. Das ist alles unglaublich gut beobachtet, in einfacher Sprache zu Papier gebracht, aber mit viel Text zwischen den Zeilen.
Man könnte sagen, die Geschichten plätschern gleichsam vor sich hin. Aber nie werden sie langweilig, ganz im Gegenteil, es ist so viel drin! In vielen Gedanken, Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen erkennt man sich wieder als Leser. Strout macht deutlich, dass jedes Leben es wert ist, erzählt zu werden, mit all seinen Höhen und Tiefen. Und sie bringt es dabei zur Meisterschaft.









