Arenz gehört zu meinen bevorzugten Autoren, und das Buch stand sofort nach Erscheinen auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste. Mich hat es aber nicht so begeistert. Anton ist ein 60-jähriger Balletttänzer, der völlig überraschend seine Kündigung erhält. Er verliert den Job, den im Gegenzug seine Tochter Emma bekommt. Er fühlt sich hintergangen, kann sich nicht für seine Tochter freuen, badet im Schmerz und beklagt sein Alter. Natürlich ist nachvollziehbar, dass er Zukunftsängste hat, und ein Mensch, dessen Körper sein Kapital ist, leidet besonders unter dem Älterwerden und Nachlassen der Spannkraft. Aber Anton ist für mich kein Sympathieträger, er ist ein bisschen wehleidig und kreist um sich selbst. Der Jobverlust spült auch Antons ewige Wunde wieder hoch, eine riesige Verletzung, die seine große Liebe Jo ihm zugefügt hat, als sie ihn Hals über Kopf, ohne jegliche Begründung, vor vielen Jahren verlassen hat. Hat er womöglich das falsche Leben mit Katja, seiner inzwischen geschiedenen Frau, gelebt? Wäre er in einem anderen Leben glücklicher geworden? Er beschließt, Jo zu suchen …
Wie immer bei Arenz sind einzelne Szenen wunderbar beschrieben, vor allem die Tanzszenen nehmen einen mit. Aber der Plot überzeugt mich nicht, weder die Auflösung des Verschwindens seiner großen Liebe, noch die immense Wut seiner Tochter, die auf eine alte Geschichte zurückgeht. Das sind durchaus interessante Motive, und ich frage mich, warum ich mich bei diesem Buch schwertue, auf mich wirkt alles etwas konstruiert. Vielleicht ist mir auch nur diese Welt der Extrovertierten fremd? Oder die Larmoyanz eines 60-jährigen? Das Buch lässt mich etwas ratlos zurück, weil ich mein Unbehagen nicht richtig fassen kann.
Trotzdem gilt für mich, dass Arenz sehr gut schreibt, und ich ihn sehr gerne lese. Meine kritischen Anmerkungen sind Meckern auf hohem Niveau. Empfehlen würde ich aber dennoch eher seine Romane Alte Sorten und Zwei Leben, die sind für mich stimmiger, runder. Sie strahlen eine ganz besondere Wärme aus, für die ich Arenz so schätze. Aber in diesem Roman vermisse ich sie.









