„Gott, hilf dem Kind“, von Toni Morrison

Natürlich hat auch dieses Buch der Literaturnobelpreisträgerin den Rassenkonflikt zum Thema. Aber es geht noch um viel mehr in dieser Geschichte. Es geht um Bindungen und fehlende Bindungen innerhalb der Familie, um tiefgreifende Verletzungen, um prägende Erfahrungen in Kindheit und Jugend. Und um Mut, Würde, Anstand und Liebe. Lula Ann kommt zum Entsetzen ihrer Mutter Sweetness als tiefschwarzes Baby auf die Welt, der Vater verlässt die Familie, weil er nicht glauben mag, dass dieses Kind von ihm ist. Sweetness erzieht ihre Tochter restriktiv, mit dem hauptsächlichen Ziel der Anpassung, um sie vor Rassismus zu schützen. Doch Lula Ann geht ihren eigenen Weg, um mit ihrer Andersartigkeit umzugehen und sich von den Zwängen zu befreien. Sie wächst zu einer strahlenden Schönheit heran und nutzt ihr Aussehen gnadenlos, um ihre Hautfarbe vergessen zu machen. So wird sie überaus erfolgreich, inszeniert sich regelrecht, kleidet sich ausschließlich in Weiß und nennt sich Bride. Sie geht eine Beziehung mit Booker ein, der ebenfalls mit den Dämonen seiner Vergangenheit kämpft. Als er sie völlig unvermittelt verlässt und verschwindet, gerät Lula Anns – Brides –  Leben völlig aus den Fugen. Sie setzt alles daran, ihn zu finden.

Morrison findet starke Worte für die verletzten Seelen: „Wie lange hatte ihn (Booker) das Trauma seiner Kindheit schon vom Schwung und der Woge des Lebens abgeschottet.“ „Und was ihr (Lula Ann) den Schock erträglich machte, war die Befriedigung, berührt und behandelt zu werden von einer Mutter, die körperlichen Kontakt mied, wo sie nur konnte.“ Morrison verleiht abwechselnd den verschiedenen Protagonisten ihre Stimme und man folgt den Berichten gebannt. Bekommen Bride und Booker eine Chance, sich mit ihren verwundeten Seelen zu treffen und sich zu helfen oder gar zu heilen? Die Geschichte hält noch eine größere Überraschung bereit …

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