Die Übersetzerin, Jenny Lecoat

Romane, die auf wahren Ereignissen basieren, berühren uns noch einmal ganz anders als fiktive Erzählungen. So ist diese Geschichte, die im Zweiten Weltkrieg auf der Kanalinsel Jersey spielt, nicht nur unglaublich spannend, sie ist auch ergreifend. Das Original heißt „Hedy’s War“, das macht viel deutlicher, um was es hier geht.

Die aus Österreich geflohene junge Jüdin Hedy (Hedwig Bercu) lebt 1940 auf Jersey, als die Insel von den deutschen Besatzern eingenommen wird und fortan völlig abgeschnitten vom englischen Mutterland ist. Hedys Lage verschlechtert sich dramatisch, niemand gibt ihr Arbeit und sie hat kein Geld für Lebensmittel. In dieser verzweifelten Situation nimmt Hedy eine Stelle als Übersetzerin bei den verhassten Deutschen an, obwohl sie nun in der ständigen Angst lebt, als Jüdin erkannt zu werden. Doch nicht alle Wehrmachtssoldaten sind Unmenschen …

Vor der Kulisse des grauenvolles Kriegs entwickelt sich mit dem deutschen Soldaten Kurt eine Liebesgeschichte, die unter die Haut geht. Aber Hedys Situation wird immer komplizierter, und auch den Insulanern geht es immer schlechter, Hunger ist das beherrschende Thema: „Alle hungern und sind so wütend. Die Läden sind leergefegt, und  bis zur nächsten Ebbe können wir nicht mal nach Napf- und Strandschnecken suchen, aber dann tun es gleich wieder alle.“

Der Roman ist super recherchiert. Ich habe dieses Buch in der Bibliothek entliehen, bevor der Krieg in der Ukraine begonnen hat und habe erst gezögert, es jetzt zu lesen. Aber die Lektüre macht auch Mut, denn die Geschichte zeigt, dass es immer und überall tapfere Menschen gibt, die Mitgefühl zeigen, die bereit sind, anderen zu helfen, auch wenn es bedeutet, das eigene Leben zu riskieren. Und der Roman beschreibt einmal mehr die unglaubliche Kraft der Liebe. Gut geschrieben ist er auch. Fazit: Unbedingt lesenswert!

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