Das Leben ist gut, Alex Capus

Ein Buch, das gute Laune macht. Der Ich-Erzähler, der Mittfünfziger Max, betreibt eine kleine Bar in der Schweiz. Als seine Frau für längere Zeit nach Paris fährt, ist er erstmals nach vielen Jahren Ehe ohne sie. Es veranlasst ihn, sein Leben zu reflektieren. Das verläuft unspektakulär, aber Max ist völlig zufrieden mit seinem Alltag. Und er ist glücklich, dass sein Leben als Barbesitzer ihm so viele schöne Begegnungen ermöglicht. Liebevoll und warmherzig beschreibt der Autor die teilweise skurrilen Typen, die im Laufe der Jahre zu guten Freunden für ihn geworden sind und – neben der Familie – die Eckpfeiler seines Lebens bilden. Aber er spart auch nicht an gesellschaftlicher Kritik, zum Beispiel an der Entwicklung im Immobiliengeschäft. Nicht alle Kapitel und Episoden haben mich begeistert, aber es gibt einige, die ich ebenso anrührend wie lustig fand.

Ein Beispiel: Als Max, der eigentlich nie verreisen möchte, sich in einem Kapitel wegträumt in ferne Länder, kommt es zu folgender Szene in einem Postamt: 

Ich hätte gerne Briefmarken für Ansichtskarten.

Nach Übersee?

Nach Europa.

Europa liegt in Übersee, Sir.

Nun – ja.

(…) aber ich habe in langjähriger Beobachtung die Erfahrung gemacht, dass europäische Kunden sich oft schwertun mit dem Gedanken, dass ihre Heimat in Übersee liegt.

Von hier aus gesehen. Selbstverständlich.

Jawohl Sir. Wir befinden uns ja auch hier, nicht wahr?

Mir gefällt dieser leise Humor und die Art, wie Capus sich dem Leben und den Menschen nähert. Und uns mitnimmt in sein einfaches und entspanntes Leben. Kritische Stimmen sagen, das Buch plätschert mit netten Anekdoten vor sich hin. Ich fand es sehr wohltuend, es führt einen zurück zu dem, was wirklich wichtig ist im Leben. 

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