Iris Berben, Ein Jahr – ein Leben

Ich bin kein Fan von Iris Berben, aber diese Autobiografie hat mich positiv überrascht. Lebensklug und differenziert, aber auch mit Witz und einer Prise Selbstironie beantwortet die Berben die Fragen von Christoph Amend, Chefredakter des ZEITmagazins. Obwohl ihr Privatleben weitestgehend außen vor bleibt, erfährt man viel Persönliches über sie. Über ihre Werte und Haltungen, ihr Temperament, ihren Kontrollwunsch, ihr Getriebensein, ihre Eitelkeiten und ihre Ängste. Über ihr Leben als öffentliche Person, ihr Verhältnis zu Prominenten. 

Berben ist eine Schauspielerin mit vielfältigem Rollenprofil – man denke an Sketchup, Rosa Roth und die großen Frauenpersönlichkeiten, die sie gespielt hat – Konsulin Buddenbrook, Bertha Krupp, die Patriarchin. Aber auch für Verfilmungen von Rosamunde Pilcher war sie sich nicht zu schade. Sie ist seit vielen Jahren politisch aktiv, engagiert sich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus, hat diverse öffentliche Ämter inne. 

Es gibt viele interessante Fragen, auf die sie konzentriert antwortet, in seltenen Fällen auch mal ausweichend .„Lohnt sich das Leben?“ „Wie oft sind Sie glücklich mit sich selbst?“ „Wo wollen Sie hin?“ Als sie auf ihr turbulentes Leben mit den unzähligen Projekten angesprochen wird, antwortet sie mit einem Bild, das mir sehr gefallen hat: „Ich weiß, dass ich darauf achten sollte, mehr auszuatmen. Ich atme viel ein, aber zu wenig aus.“ An einer Stelle sagt sie: „Da ist mir wieder einmal klargeworden wie wuchtig dieses Leben ist“ –wuchtig, ein tolles Wort für das Leben.

Wer gerne Biografien liest und diese Art – Fragen und Antworten – mag, für den ist das Buch empfehlenswert.

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