Fußball? Au ja! Frauen-Fußball? Na ja …

Fußball ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Lange galt es als unfein, sich für Fußball zu interessieren, aber inzwischen sind auch immer mehr Frauen mit Begeisterung dabei. Ich zähle dazu, seit langem. Was gibt es Spannenderes als mitzufiebern, ob der Lieblingsmannschaft das entscheidende Tor gelingt, mitzuleiden, wenn der Ball an die Latte prallt, sich die Haare zu raufen, wenn der Schiri falsch pfeift und mitzujubeln, wenn das Runde im (richtigen!) Eckigen landet! Bei den manchmal irrwitzigen Wendungen kann man alles um sich herum vergessen: Tore in allerletzter Minute, die über Meisterschaften entscheiden, übers Weiterkommen in Turnieren, über Aufstieg oder Abstieg, Tore, die aus fast unmöglicher Position fallen und Tore, die man am liebsten sofort wieder verdrängen möchte.

Momentan läuft die Fußball-Europameisterschaft der Frauen, eigentlich ein Fest für Fußball-Fans und somit auch für viele Frauen, eigentlich  … Ich gucke zwar die Spiele der Deutschen, aber der Funke will nicht so recht überspringen, und das liegt nicht nur daran, dass unsere Mädels so mäßig spielen. Warum hat der Frauenfußball so viel weniger Zuschauer? Das Spiel der Männer ist sicherlich schneller und dynamischer, aber inzwischen auch sehr Taktik-geprägt. Bei den Frauen gibt es häufig schönere Spielzüge und weniger Unterbrechungen. Und dennoch … Meine Beschämung über mangelnde Solidarität mit unseren Frauen ließ mich ins Grübeln kommen; ich habe für mich folgende Erklärung gefunden: Mir fehlt beim Frauenfußball die Geschichte dahinter. Deutschland gegen die Niederlande oder gegen Italien –  was für Lampen gehen da an beim Männerfußball – das sind absolute Klassiker.

Wer erinnert sich nicht noch an das bittere Ausscheiden von Deutschland in den allerletzten Minuten der Verlängerung im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2006 gegen Italien, oder an das verlorene Spiel bei der Europameisterschaft 2012 und die Siegerpose des Mario Balotelli? Und ich weiß noch wie heute, wie ich 1974 hochschwanger im Wohnzimmer auf und ab hüpfte, beim Endspiel der Weltmeisterschaft, Deutschland gegen die Niederlande, und dann das Siegtor von kleines, dickes Müller bejubelte!

Aber das ist natürlich ungerecht, wie sollen solche Legenden entstehen, wenn nicht genug Menschen mit Begeisterung Frauenfußball schauen. Ich nehme mir also vor, mehr zu gucken! Ich freue mich aber doch schon sehr auf die übernächste Woche, in der wieder der Ball in der ersten Fußball-Bundesliga rollt, bei den Männern, versteht sich …

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