Alte Sorten, Ewald Arenz

Was für ein wunderschönes Buch! Allein die Ausstattung! Das Foto gibt das nur unzureichend wieder: Mattes, weißes Leinen mit einem eierschalenfarbenen Spiegel, darauf eine geprägte, lackierte Zeichnung von einem kleinen Ast mit zwei Birnen. Mit orangefarbenem Vorsatzpapier – passend zum Orange der Birnen. Natürlich mit Lesebändchen. Und es ist nicht nur eine Freude, dieses Büchlein in die Hand zu nehmen, sondern auch es zu lesen, sich hineinfallen zu lassen. Es entschleunigt. Es lenkt den Blick auf das Wesentliche. Es zeigt, was Freundschaft bedeutet.

Die siebzehnjährige, magersüchtige Sally begegnet auf der Flucht aus der Klinik der fünfundvierzigjährigen Liss und kriecht bei ihr auf dem Hof unter. Liss lässt sie in Ruhe, nimmt sie so, wie sie ist. Das ist neu für Sally und das gefällt ihr zunehmend, ebenso wie die körperliche Arbeit auf den Feldern und im Garten. Die beiden Frauen verstehen sich ohne Worte. Es ist ein wunderbarer Umgang miteinander, der sehr feinfühlig beschrieben wird. Aber Sally ist abgehauen und es ist klar, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Und dann gibt es da noch einige Rätsel um Liss …

Mit meisterhaft bildhafter Sprache wird das ruhig und gemächlich erzählt. Man ist auf den Feldern dabei und man schmeckt und riecht förmlich den Saft der Birnen, ist bei der anstrengenden Arbeit der Weinlese mittendrin. Alles geschieht mit großer Selbstverständlichkeit, es ist ein zurück zur Natur, zu Wurzeln, zu Wesentlichem und zu Wahrhaftigkeit. Ein Lesegenuß mit Tiefgang.

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