„Die Spuren meiner Mutter“, von Jodi Picoult

 

Toll, ein Buch von Jodi Picoult, das ich noch nicht kenne! So dachte ich, als ich in der Stadtbibliothek „Die Spuren meiner Mutter“ entdeckte. Sehr 4107vgqqwil-_sx313_bo1204203200_interessant sind (fast) alle Passagen, in denen es um die Elefanten geht; und es steckt mit Sicherheit aufwändige Recherche dahinter – ich wünschte, ich hätte all diese Kenntnisse über Elefanten gehabt, bevor wir seinerzeit in Namibia waren. Aber das ist auch so ziemlich das einzig Positive. Nachdem ich mich bis zur Hälfte (505 Seiten!) durchgemüht habe, wurde es im zweiten Teil besser – aber nicht wirklich gut. Vor allem das Ende ist ein ärgerlicher Twist, bei dem ich mich als Leser veräppelt fühle.

Wenn man bis zum Ende der Geschichte durchhält, versteht man, warum Picoult dem Verhalten der Elefanten einen so großen Stellenwert gibt – aber es ist (mir) alles eine Spur zu gedrechselt, zu langatmig – und in Anbetracht ihrer super Romane (Beim Leben meiner Schwester, Neunzehn Minuten) fand ich diesen einfach nur enttäuschend. Ich bin ärgerlich auf mich, dass ich bis zum Schluss durchgehalten habe, und auf die Autorin, dass sie ein Buch mit solchen Längen vorlegt, neben den erwähnten anderen Schwächen.

„Zerbrechlich“, von Jodi Picoult

Jodi Picoult ist auch so eine Vielschreiberin. Ich habe fast alle Romane von ihr gelesen. „Zerbrechlich“ hat mich sehr an ihr Buch „Im Namen meiner Schwester“ erinnert, das ich seinerzeit faszinierend fand, auch aufgrund der Perspektivwechsel: Alle Personen im Umfeld der Hauptperson schildern abwechselnd ihre Sicht der Dinge. Auch in „Zerbrechlich“ arbeitet Picoult mit diesem stilistischen Element.
In der vorliegenden Geschichte geht es um das Mädchen Willow, das mit der Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta, kurz OI) auf die Welt gekommen ist. Ständig läuft Willow Gefahr, sich Knochen zu brechen, an ein normales Leben ist nicht zu denken. Naturgemäß dreht sich im überaus schwierigen Alltag der Familie alles um dieses kranke Kind; Amelia, die gesunde ältere Schwester wird von den Eltern nahezu übersehen. Als die Idee aufkommt, dass man die Gynäkologin auf ungewollte Geburt verklagen könnte (wir bewegen uns im amerikanischen Rechtssystem!), erhofft sich die Mutter Charlotte von der Klage eine hohe finanzielle Entschädigung, mit der sie die immensen Kosten für die Krankheit ihrer Tochter besser decken könnte. Die Sache hat aber einen entscheidenden Haken, die Gynäkologin ist Charlottes beste Freundin, auch die Töchter der beiden sind eng befreundet. Ein weiteres Problem: Charlotte müsste vor Gericht lügen, sie müsste so tun, als hätte sie ihre Tochter niemals bekommen, wenn man sie in der Schwangerschaft rechtzeitig auf die Krankheit aufmerksam gemacht hätte. Harter Tobak, aber Charlotte reicht die Klage ein …
Picoult hat es echt drauf, Spannung zu erzeugen, und sie greift immer hochinteressante Themen auf. Dennoch bin ich mit diesem Buch nicht ganz glücklich. Abgesehen davon, dass es sehr amerikanisch ist, finde ich es auch etwas glatt, etwas zu konstruiert und auf Wirkung hin konzipiert. Auch ihr bevorzugter Satzbau (eingeschobenes Verb bei wörtlicher Rede) hat mich dieses Mal etwas genervt: „Weißt du Charlotte“, sagte sie sanft, „mir auch.“

„Zerbrechlich“ ist bis zum Ende hin spannend, man fragt sich nicht nur, wie das Urteil ausfallen wird, sondern auch, ob das Auseinanderbrechen der Familie noch verhindert werden kann. Wer also gerne psychologisch spannende Unterhaltung liest, ist hier richtig. Ich habe vielleicht zu viel Picoult gelesen, oder es erinnerte mich zu sehr an „Beim Leben meiner Schwester“. Bei mir bleibt ein leicht schales Gefühl zurück.