Praktische Tipps für Hallux OP

Ich bin vor kurzem am Hallux operiert worden, und da ich inzwischen weiß, wie viele Frauen bzw. Menschen mit dem Hallux Probleme haben und sich fragen, ob sie sich operieren lassen sollen, habe ich ein paar wichtige Erkenntnisse und (hoffentlich) wertvolle Tipps aufgeschrieben.

Phase 1, Rund um die OP (mein Befund: mittelschwer, OP nach Chevron). Da man nach der OP in der Regel für mehrere Wochen sehr immobil ist, sollte man seeehr gründlich vorbereitet sein und ein paar  Wochen voraus denken: Termine und Erledigungen aller Art vorziehen, ausreichend Lesestoff besorgen, Lebensmittel einlagern, vorkochen und einfrieren. Unbedingt Hilfe organisieren für die ersten beiden Wochen. Schon vor der OP Termine für Physiotherapie und/oder Lymphdrainage vereinbaren, da man auf diese Termine sehr lange warten muss.

Vor und nach der OP drei Tage lang Arnica C 30 nehmen, das hilft bei der Wundheilung. Wer Magenprobleme hat und das übliche Schmerzmittel Ibuprofen nicht gut verträgt: Man kann sich auch Novalgin geben lassen. Das hilft allerdings nur gegen die Schmerzen, während Ibu gegen Schmerzen und Entzündung eingesetzt wird. Die bei Einnahme von Ibu empfohlenen, aber nicht unumstrittenen Säureblocker,  kann man ggfls. auch mit Heilerde ersetzen.

Mitnehmen ins Krankenhaus: Eine bequeme, am Fuß weite Hose, ein kleines Handtuch, zu essen und zu trinken, Lesestoff und den verordneten Entlastungsschuh, evtl. auch Krücken. Unbedingt für den anderen Fuß einen Ausgleichsschuh im Sanitätshaus besorgen! Kein Arzt hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es diesen Ausgleichsschuh gibt, und die Kasse zahlt die 38,50 Euro nicht, aber dies ist der wichtigste Tipp überhaupt! Der Entlastungsschuh für den operierten Fuß hat nämlich eine sehr dicke Sohle, so dass man ohne den Ausgleichsschuh einen heftigen Schiefstand hätte. Die Investition lohnt sich! Vor der (ambulanten) OP zuhause neben dem Sessel oder der Couch  alles deponieren, was man hinterher gerne in der Nähe haben möchte – Schreibkram, Bücher, Zeitschriften, Getränke, Taschentücher, Telefon, Kalender, Fernbedienung – damit man nicht ständig um irgendetwas bitten muss. Direkt nach der OP soll und will  😉  man sich am besten überhaupt nicht bewegen.

Tja, und dann strikt den Anweisungen folgen: Möglichst wenig gehen, wenn, dann ausschließlich mit Entlastungsschuh, hochlegen, täglich ca. 5 x für 20 Minuten kühlen mit kleinen weichen Kühlpads, die man in ein Handtuch wickelt. Oder mit Tiefkühlerbsen. Nach dem Fäden ziehen den Fuß mit Narbensalbe eincremen; es ist nicht wissenschaftlich erwiesen, dass das hilft, aber auf jeden Fall ist es sehr angenehm, es macht den Fuß geschmeidiger. Ein Duschhocker erleichtert das Duschen (Duschen ist erst nach dem Fäden ziehen erlaubt).

Viel sitzen und liegen klingt erst mal sehr gemütlich, hat es aber durchaus in sich. Ich habe mir ein Schaffell für den schmerzenden Hintern besorgt und immer wieder diese Übung gemacht: Pobacken mit gedachter Münze dazwischen anspannen. Generell ist Gymnastik sinnvoll, für den Kreislauf und damit nicht alles aus dem Lot gerät. Alles, was den Fuß nicht belastet, ist erlaubt: Fahrrad fahren in der Luft, Bauchmuskelübungen, Rücken mobilisieren etc. Und die Zehen sollen auch selbsttätig bewegt werden. Zu diesen Themen unbedingt den Arzt löchern! Ganz wichtig: viel Zeit einplanen – es dauert alles viel länger als sonst – waschen, duschen, anziehen, die Wege zwischen Bett, Bad und Sessel.

Und: Auf Rückschläge gefasst sein! Bei mir lief alles super, aber in der dritten Woche schwoll mein Fuß auf einmal sehr an und schmerzte. Schwellungen sind normal, aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr damit gerechnet und war irritiert. Umschläge mit Retterspitz sind gut. Geholfen hat mir eine Aussage, die ich auf einem sehr guten Blog gefunden habe: „Der Zeh nimmt es übel, dass er nun eine neue Richtung einschlagen soll.“ (draufgaengerin.de.  https://www.draufgaengerin.de/weil-kein-schuh-mehr-passt-hallux-valgus-operation/#more-3992). Man sollte es sich so nett wie möglich machen – ein spannendes Buch und eine fesselnde TV-Serie helfen ungemein. Und sich drauf einlassen, mal aus dem Hamsterrad auszusteigen und die Ruhe anzunehmen. Auch wenn es eine erzwungene Ruhe mit einigen unangenehmen Begleiterscheinungen ist …

In einer Woche beginnt die nächste Phase, dann sind vier Wochen rum, es wird geröntgt und entschieden, ob ich den Entlastungsschuh noch weiter tragen muss und ob ich dann etwas weitere Kreise ziehen darf beim Humpeln. Dann startet auch die Physiotherapie. Sollten sich noch wichtige Erkenntnisse ergeben, werde ich berichten. Wer Fragen hat an mich – nur zu!

13 comments
  1. Hallo Ilsebill,

    vor kurzem habe ich mit einer Freundin über das Problem gesprochen. Sie ist erst 25 Jahre und hat die Vermutung, dass sie einen Hallux bekommen könnte, da es in beiden Familien vererbt wird. Ihre eigene Mutter ist nicht betroffen, allerdings beide Großmütter.
    Wir haben uns gefragt, ob sie bei ersten Anzeichen schon prophylaktisch eine kleine OP machen lassen sollte und gar nicht so lange warten sollte, bis der Fuß stark verformt ist. Es müsste dann nur wenig Knochenmasse abgetragen werden und die Heilung würde u.U. nicht so langwierig und weniger schmerzhaft?
    Ich bin sehr gespannt ob Du dazu evtl. Antworten hast.

    Gute Besserung

    Anke

    1. Hallo Anke, je früher man diese OP machen lässt, desto „einfacher“ ist sie (es gibt zig verschiedene OP-Methoden je nach Schweregrad) und desto weniger langwierig sind die Nachwirkungen. Aber es ist ja keineswegs gesagt, dass Deine Freundin auch einen Hallux bekommt, es vererbt sich nicht automatisch und man kann durch Fußgymnastik und entsprechende Schuhe auch ein bisschen vorbeugen. Ich würde ihr raten, ihre Füße daraufhin zu beobachten und bei Veränderungen/Beschwerden direkt zum Orthopäden zu gehen. Wenn operiert werden muss, dann je eher, desto besser. Liebe Grüße Ilsebill

  2. Hallo Ilsebill,
    Ich werde morgen operiert und habe heute Abend noch mal in Ruhe das eine oder andere nachgelesen. Dann bin ich auf deine Tipps gekommen, Arnica, Ausgleichschuh und später Physiotherapie. Das sind super Tipps, die ich mir morgen noch besorgen “ lasse „.
    Ansonsten hoffe ich, dass alles gut geht morgen und werde vielleicht auch noch mal was dazu schreiben.
    Vielleicht hilft es auch anderen oder unterstützt uns während der nach op Zeit
    Liebe Grüße Sylke

    1. Liebe Sylke,

      ich lese gerade Deinen Kommentar – wahrscheinlich hast Du inzwischen die OP schon hinter Dir. Ich wünsche Dir, dass alles glatt gegangen ist und hoffe, dass es Dir in der Nachbehandlungsphase auch rundum gut geht und Du irgendwann sagen kannst, die OP ist gelungen. Alles Gute und liebe Grüße, Ilsebill

  3. Danke für die Tipps für die Hallux OP. Meine Mutter bereitet sich auf die OP vor und will einfach mehr darüber wissen. Sie freut sich darauf, da sie in letzter Zeit viel Fußschmerzen hat.

    1. Ich wünsche der Mama einen guten OP-Verlauf und auch alles Gute für die Zeit danach – viel Erfolg!

  4. Hallo Ilsebill,
    per Zufall bin ich heute auf Ihren Blog gestoßen und Ihren Beitrag über Ihre Hallux Op gefunden.
    Es ist ja nun bei Ihnen schon eine Weile her und ich möchte fragen, wie es mit der Heilung weiter gegangen ist und, ob alles gut verheilt ist. Ich habe in 4 Wochen die erste OP und man macht sich ja schon seine Gedanken…

    Ihre Tipps finde ich super und sehr hilfreich…
    viele Grüße,
    vivien

    1. Hallo Vivien, ja, meine OP ist über zwei Jahre her. Äußerlich ist alles gut verheilt und ich kann auch wieder recht gut laufen. Größere Strecken nimmt der Fuß aber schon mal übel. Barfußlaufen geht gar nicht mehr gut, weil ein „Knubbel“ unter dem Fuß geblieben ist. Der Zeh ist immer noch etwas taub und er schmerzt – es lässt sich aushalten, aber vor der OP hatte ich weniger Schmerzen als jetzt, das muss ich leider sagen. Der Erfolg der OP hängt wohl auch viel von der Fußform ab und meine Fußform hat die Sache angeblich nicht begünstigt. (Das weiß ich jetzt 😉 Meinen zweiten Fuß lasse ich nicht wie ursprünglich geplant operieren. Es tut mir leid, dass ich keinen großen Optimismus verbreiten kann! Liebe Grüße, Ilsebill

  5. Liebe Ilsebill,
    Dankeschön für Deinen Blog ! Tut so gut sich vorbereiten zu können. Und nun unter Gleichgesinnten Fragen stellen zu dürfen.
    Mein Hallux war so weit fortgeschritten, dass sich der große Zeh (rechter Fuß) über den nächsten Zeh schob. Der wirkliche OP Grund waren aber unerträgliche Schmerzen an der rechten Außenkante des Fußes. Konnte fast nicht mehr laufen, und habe eben einen Geh—und Stehberuf.
    Am 3.2.2021 wurde ich operiert (Akin— und Scarf— Osteotomie )
    Heute, Tag 5 nach der Operation brauche ich keine Schmerzmittel mehr—sollte ich trotzdem welche nehmen? Muss ich meinen Doc fragen.
    Sobald ich rumhample, tut es natürlich wieder weh. Nun meine Frage an alle:
    Ich war zwar am 4.2. zum Verbandswechsel, aber das nächste Date beim DOC ist erst am 12.2. zum Fäden ziehen. Iwie hat der Arzt mir nicht gesagt, was ich tun soll, wenn der übel lockere Verband abfällt. Müsste ich desinfizieren?
    Gibt es die Gefahr einer Entzündung?
    Mag der Praxis nicht so gerne anrufen und nerven….die sind eh im Stress.
    Danke an die Community! Danke an Ilsebill!
    Grüße von der Halluxˋlerin Regine

    1. Hallo Regine,

      ja, das kenne ich, man mag nicht nerven. Und stresst sich stattdessen mit quälenden, bohrenden Fragen. Du hast nur ein Paar Füße, die sind es wert, dass Du anrufst – ich habe es in ähnlicher Situation seinerzeit auch getan und war anschließend erleichtert und entspannt. Das hilft bei der Heilung! Ich wünsche Dir alles Gute, Ilsebill

      1. Liebe Ilsebill,
        Herzlichen Dank für Deine Anteilnahme. Alles hat sich zum Guten gewendet. Jetzt heißt es warten, warten, warten.
        Vielleicht hab ich ja Glück, und der Schmerz ist hinterher schwächer als zuvor.
        Herzliche Grüße,Regine

  6. Hallo an alle hallux geplagten 😅
    Meine OP war am 10.3.21 sehr frisch und wie jeder liest man viel in dieser Zeit, zu kam ich zu dieser community.
    Gute Tipps und Ratschläge Vllt.🤔 kann mir jemand sagen, ob man wirklich den verordneten Schuh auch nachts tragen muss?
    Und wie lange muss ich an den Unterarm stützen gehen?
    Mir würde so wenig gesagt, und bei Unerfahrenheit, kann man sich eben auf dieses und welches nicht vorbereiten.

    Ich wünsche hier allen, weiterhin gute Besserung und wenig Schmerzen.

    Liebste Grüße Andrea

    1. Hallo Andrea,

      wenn man weiß, dass man nachts auf die Toilette gehen muss und zu schlaftrunken ist, den Schuh anzuziehen, dann würde ich ihn nachts anlassen. Ich habe ihn mir so hingestellt, dass ich schnell und problemlos reinschlüpfen konnte. Wie lange Du an den Unterarmstützen gehen musst, kann ich Dir nicht sagen, ich habe sie überhaupt nicht gebraucht. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie wenig den Patienten gesagt wird, mit wie vielen Fragen man allein gelassen wird.
      Gute Besserung und alles Liebe! Ilsebill

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