Ein etwas ungewöhnliches, aber tolles Thema, super umgesetzt. Es geht ums Altern, aber gleichzeitig noch um viel mehr.
Fünf von einer Jury ausgewählte Frauen treffen sich zu einem gesponserten Damenprogramm, das die Freundinnen Ruth und Anna ins Leben gerufen haben. Es soll den fünf Frauen bei einer dreimonatigen Residenz die Möglichkeit geben, sich mit Ideen zum Thema Älterwerden und Alter zu beschäftigen. Ruth finanziert das Projekt und lässt das von ihr geerbte Anwesen in der Südschweiz aufwendig umbauen. Anna kümmert sich vorrangig um die Durchführung. Und nun warten die beiden Freundinnen auf die ersten Teilnehmerinnen des Programms.
Fünf ganz unterschiedliche Frauen zwischen 66 und 73 Jahren treffen ein: die schüchterne Louise, die sich mit Glücksforschung beschäftigt, die Raucherin Vera, die mit Leidenschaft fotografiert, die widerborstige Claudia, die mit ihrer Rolle als Tochter kämpft, die pragmatische Mathilde, die sofort das Ruder am Herd übernimmt, und die unkomplizierte Hella, die sich mit dem seltsam klingenden Projekt „Inventar der abhanden gekommenen Dinge“ beschäftigt.
Die fünf Frauen widmen sich ihren Projekten mit mehr oder weniger Erfolg, und sie finden sich nach und nach als Gruppe, mit allen Konflikten und Reibereien, die zu so einem Prozess gehören. Alle möglichen Themen kommen auf den Tisch. Die vielfältigen Ängste im Alter spielen eine große Rolle: die Angst vor Stürzen, vor Gedächtnisverlust, die Angst, anderen zur Last zu fallen, die Ängste „betreffend der unteren Regionen.“ Und natürlich immer wieder die Themen des Alltags und ihre Bewältigung. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle. Fragen wie: Was bin ich oder war ich für eine Tochter? Was bin ich für eine Mutter, was für eine Großmutter? Was erwarte ich noch vom Leben? Das gibt mir als Leserin immer wieder Impulse, über das eigene Leben und die eigenen Standpunkte nachzudenken.
Vielleicht wird dieses Buch nicht jede und jeden interessieren, es braucht wahrscheinlich ein gewisses Lebensalter. Die Autorin hat sich sehr umfassend mit dem Thema Altern beschäftigt. Man merkt, dass das Wissen einer Psychogerontologin eingeflossen ist. Die zehn Punkte des Altersmanifestes „Was wir wollen“, das die Damen gemeinsam erarbeiten, sind für mich die Essenz des Buches und ein wunderbarer Aufhänger für Selbstreflexion und Austausch mit anderen. Ich wünsche dem Buch viele Leserinnen, aber durchaus auch Leser. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.
Und euch allen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich ein gutes neues Jahr.
