Ein alter ehrwürdiger Landsitz im wunderschönen Sussex, mit riesigen Ländereien, die seit Ewigkeiten im Besitz einer Familie sind, als Schauplatz – es fühlt sich very British an in diesem Roman. Für die Beerdigung des Patriarchen Philip kommt die Familie zusammen:
Grace, die Witwe, erträgt den Tod ihres Mannes erstaunlich gefasst. Frannie, die älteste Tochter, stark, ehrgeizig, kontrolliert, lebt auf dem Anwesen, sie arbeitet an der Renaturierung der Ländereien, möchte das alles für ihre Tochter Rowan erhalten. Milo, der einzige Sohn, kämpft Zeit seines Lebens mit Süchten, nachdem er von seinem Vater gezwungen wurde, ein Internat zu besuchen – er kann seiner Mutter nicht verzeihen, dass sie dies nicht verhindert hat. Er hat ganz andere Pläne als Frannie. Isa, die jüngere Tochter, ist labil, sie hat einen liebevollen Mann und zwei Kinder, aber da gibt es noch Jack, einen Angestellten auf dem Landsitz, mit dem sie etwas verbindet. Zu den Protagonisten gehört noch Ned, ein alter Freund von Philip, der seit Jahren wie ein Hippie im Wald lebt. Er ist die Anlaufstelle für alle Familienmitglieder, die in Schwierigkeiten sind, ein ruhender Pol in diesem Familiengefüge, in dem es gewaltig knirscht. Erst recht, als zur Beerdigung Clara, eine Stieftochter von Philip auftaucht, die der Familie unangenehme Wahrheiten über ihre Ahnen und das damit verbundene Erbe auftischt. Sie macht damit ein großes Thema auf, mehr möchte ich hier nicht verraten.
Auch wenn es gelegentlich mal kleine Längen gibt, ist das sehr spannend erzählt. Man spürt, wie sich die Konflikte verdichten, als es auf die Beerdigung des Patriarchen zugeht. Gleichzeitig ist diese Beisetzung und das anschließende gemeinsame Mahl der Familie als ländliche Idylle geradezu traumhaft beschrieben. Doch dann beginnt Clara auszupacken, und alles gerät endgültig aus den Fugen.
Man ist abwechselnd im Kopf der verschiedenen Protagonisten, am berührendsten ist das, wenn es um die 8-jährige Rowan geht. Die ausführlichen Naturbeschreibungen (manchmal allerdings ein kleines bisschen schwülstig für meinen Geschmack) ließen mir als England-Fan das Herz aufgehen; sie versetzen einen in die wunderbare Landschaft mit den sanft geschwungenen Hügeln in sattem Grün – England at its best. Sehr lesenswert!
