Ein zwiespältiges Leseerlebnis. Durch viel Werbung und positive Besprechungen bin ich auf das Buch aufmerksam geworden, aber nun habe ich es mit dem Gefühl weggelegt, hier wurde viel Potenzial verschenkt. Das Thema ist hochinteressant: Es geht um englische Frauen, die im Zweiten Weltkrieg als SOE-Agentinnen (SOE = Special Operations Executive) nach Paris geschickt wurden und dort während der Besetzung durch die Deutschen Spionagearbeit leisteten und Sabotageakte verübten. Viele dieser unter gefährlichsten Bedingungen ausgeführten Widerstandsaktionen trugen dazu bei, den Verlauf des Kriegs positiv für die Alliierten zu beeinflussen. Nach dem Krieg wurden diese Frauen (so sie überlebt hatten) vergessen, es zählten die Leistungen der Männer.
Die 70-jährige Pat ist eine von diesen Frauen, die seinerzeit zu strikter Geheimhaltung gezwungen waren und auch nach dem Krieg nie über das Erlebte gesprochen haben. Als sie von der BBC-Journalistin Gwen im Rahmen einer Recherche Jahre später kontaktiert wird, lehnt sie erst brüsk ab, sich zu äußern. Aber nach anfänglicher Abwehr stellt Pat sich ihren Erinnerungen.
Die Geschichte springt ziemlich wild zwischen den verschiedenen Zeitebenen und Erzählperspektiven hin und her, und trotz eines Personenverzeichnisses am Ende sind die vielen Namen verwirrend. Weder Pat noch Gwen als tragende Protagonistinnen rücken einem wirklich nahe. Am ehesten gewinnt noch Ilsabé, Gwens Großmutter, die im Krieg in Paris gelebt hat und ebenfalls in das Geschehen verwickelt war, an Kontur. Immer wenn es etwas dichter und spannender in den Kriegsjahren wird und man tiefer in das Leben von Pat eintaucht, springt die Autorin zum heutigen Leben von Gwen, und dieser Teil ist eher langatmig und belanglos. Aufgrund der geschichtlichen Relevanz ist das Buch dennoch lesenswert, aber ich hatte mir deutlich mehr versprochen.
