„Letzte“ Reise, Roman von Anna Enquist

Der Roman beschreibt das Leben von Elizabeth Cook, Frau des berühmten Entdeckers James Cook. Hat man den Klappentext vorher gelesen, so weiß man genau, was einen an Fakten erwartet: Elizabeth lebt im ständigen Wartestand und muss hinnehmen, dass ihr Mann entgegen seinen Versprechungen auch noch zu einer dritten Entdeckungsreise aufbrechen wird, von der er nicht zurückkehrt. Ebenso weiß man vorher, dass sie ihre sechs Kinder überleben wird.

Man könnte also sagen, die Spannung hält sich in Grenzen. Aber WIE dieses Frauenschicksal beschrieben ist, wie Elizabeth hofft, wartet, zweifelt, sich arrangiert („Ich muss mich freuen, dachte sie, das gehört sich so.“), und – besonders berührend, wie ihre lebenslange Sehnsucht nach ihrer einzigen Tochter geschildert wird, das ist einfach großartig. Die Sprache ist pointiert, spröde und kühl und transportiert doch unglaublich nachvollziehbar die tiefen Gefühle.

Tief taucht man in das 18. Jahrhundert ein, erfährt natürlich auch viel über die Entdeckungsreisen von Cook, verfolgt, mit welcher Hartnäckigkeit Elisabeth auf der Klärung der Umstände seines Todes beharrt. Am meisten berührt hat mich aber immer wieder aufs neue die Beschreibung ihrer widerstreitenden Gefühle: „Sie schwieg. Ein Monat. Das Haus würde sich plötzlich zu klein anfühlen, als passte es nicht. Ein großer Körper würde neben ihr im Bett liegen, die Nacht von unvermitteltem Knarren und Schnarchen erfüllt sein. Sie würde ihm gegenüber sitzen. Zögernd würden sie anfangen, ihre Geschichten zu erzählen, du zuerst, nein, lieber erst du.“

Nicht nur wer gerne Frauenbiografien liest, wird mit diesem Buch wunderbare Stunden verbringen.

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