„Alles worauf wir hofften“, von Louisa Young

Äußerst eindringlich beschreibt der Roman (der Originaltitel The Heroes’ Welcome ist viiiel besser!) die äußeren und inneren Verletzungen von Kriegsheimkehrern. Und was ihre Rückkehr von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs für ihre Umwelt bedeutet, die sich völlig hilflos mit völlig veränderten Männern konfrontiert sieht. Das kollektive Aufatmen – der Krieg ist vorüber, lasst uns nach vorne schauen – wird durch die beiden Kriegsveteranen (gerade mal in ihren Dreißigern) empfindlich gestört.

„Sie müssen nur einen Roman über den Ersten Weltkrieg lesen, nämlich diesen,“ rezensiert The Times. Und in der Tat, die Geschichte der beiden Paare hat mich sehr in den Bann gezogen, bewegt und diese (oft vernachlässigte) Seite des Kriegs intensiv  betrachten lassen. Da sind Nadine und Riley, dessen Gesicht mühsam wieder zusammengeflickt wurde und der kaum sprechen und essen kann und das Mitleid, das ihm allerorten entgegenschlägt, nicht erträgt. Und die (einst) wunderschöne Julia und Peter, der völlig verbittert ist und den seine Erlebnisse auf dem Schlachtfeld bis in seine Träume begleiten – wenn sie ihn überhaupt schlafen lassen. Und der es kaum schafft, mit seiner Frau zu kommunizieren, ohne verletzend zu sein:

„Er blickte zu ihr (…) und sah, dass sie, wie nicht anders zu erwarten, diese überraschend freundlichen Worte ernst nahm und sie mit gewaltiger Bedeutung auflud. Oh Gott. Sie brach in Tränen aus. Sag etwas. Aber nicht ’Verpiss dich’. Sag das nicht.“

Werden die beiden Männer es schaffen, wieder Fuß zu fassen? Werden die Beziehungen zu ihren Frauen diesen immensen Spannungen standhalten? Wie kann man überhaupt weiterleben im Angesicht all der grauenvollen Erinnerungen und des unvorstellbaren Leids? Wie gehen die Frauen mit ihren immer wieder aufs Neue enttäuschten Hoffnungen um? Sehr lesenswert!

„Eins wollt ich dir noch sagen“, von Louisa Young

Dies ist der Vorläufer zum von mir bereits besprochenen Roman: „Alles worauf wir hofften“, von Louisa Young. Ich wusste nicht, dass es diese Vorgeschichte gibt und habe die Bücher somit in der falschen Reihenfolge gelesen, aber das macht nichts! Im Roman „Eins wollt ich dir noch sagen“ erfährt man, wie die beiden Protagonisten Nadine und Riley sich als Kinder in London durch einen Zufall kennenlernen und wie sie sich langsam annähern, trotz ihrer so unterschiedlichen Herkunft. Er ist ein Arbeiterkind, sie eine Tochter aus gutem Hause. Eine Verbindung wäre – wir schreiben das Jahr 1917 – nicht standesgemäß. Dementsprechend hintertreibt Nadines Mutter die aufkommenden zarten Bande. Riley resigniert und meldet sich freiwillig für den Krieg.

Das Kriegsgeschehen wird in drastischen Worten geschildert. An der Front nur Purefoy genannt, ist Riley einer unter vielen, die unter entsetzlichen Umständen in Frankreich kämpfen. Durch einen Briefwechsel bleiben er und Nadine verbunden.

Auch die Geschichte des zweiten Paares, Julia und Peter Locke, wird in diesem „Vorläufer-Buch“ grob angerissen. Langsam wird eine Verknüpfung der beiden Paare aufgebaut: Locke ist im Krieg der Vorgesetzte von Riley und seine Kusine Rose pflegt Riley, als er schwer verwundet aus dem Krieg kommt. Riley mag sich niemandem mehr zumuten, schon gar nicht Nadine. Peter ist traumatisiert und flüchtet sich in den Alkohol. Beide Frauen kämpfen auf ihre ganz eigene, absolut unterschiedliche Art, um ihre Liebe bzw. ihre Ehe. Das ist wunderbar und einfühlsam beschrieben, genauso wie die Gefühlswelt der an Leib und Seele verwundeten Männer. Es gelingt der Autorin beeindruckend gut, diese vielen verschiedenen Facetten zu beleuchten. Sie zeigt glasklar, was der Krieg mit den Menschen macht. Dies wird im Nachfolgeband noch viel viel deutlicher. Zwei sehr empfehlenswerte Bücher – am besten mit diesem beginnen und dann „Alles worauf wir hofften“ lesen.