Der Weg zum eigenen Buch – 5

Kapitel 5: Arbeitsorganisation oder vom Segen der Struktur 

Nur Regelmäßigkeit hilft beim Schreiben – so gilt es für mich und inzwischen weiß ich, dass es für viele andere Schreibende genauso gilt. Zwischendurch mal ein kleines Zeitfenster nutzen, das funktioniert nicht. Man liest ja immer wieder mal von Autoren, die im Café schreiben oder die, umringt von quengelnden Kleinkindern, Brauchbares zu Papier bringen. Ich nicht! Und man darf diese Geschichten auch sicher anzweifeln. Von Hanns-Josef Ortheil, dem bekannten Schriftsteller, gibt es dieses wunderbare Buch „Lo und Lu“, in dem er selbstironisch berichtet, wie schnell er sich vom ernsthaften Schreiben verabschiedet hat, als seine Frau berufstätig war und er alleine die Kinder betreut hat.

Also, auch ich brauche definitiv das Gefühl mehrerer zusammenhängender Stunden ohne Störung, und das am besten viele Tage hintereinander. Bei mir kristallisierte sich der Vormittag als Arbeitszeit heraus. In der Regel arbeite ich vier Stunden, von neun bis eins. Weiß ich, dass im Laufe des Vormittags ein Termin außer Haus ansteht, oder sich ein Handwerker angekündigt hat, so ist „richtiges Schreiben“ schwierig, Geschriebenes zu überarbeiten funktioniert aber ganz gut. Die Konsequenz war, dass ich versuchte, alles, was nicht mit Schreiben zu tun hatte, in den Nachmittag zu verlegen. Gar nicht so einfach! Telefonanrufe und E-Mails vormittags zu ignorieren, steht einer natürlichen Neugier entgegen. Freunde und Familie zu briefen, dass ich nur nachmittags Zeit habe, war auch nicht so einfach und funktioniert bis heute nicht richtig – sicherlich auch, weil ich nicht konsequent genug bin. Aber das Manuskript wuchs dennoch. Auf einmal hatte ich über zweihundert Seiten geschrieben und ein Ende war in Sicht. Der nächste Schritt – das Geschriebene jemandem offenbaren – stand an. Puh!

Der Weg zum eigenen Buch – 4

Kapitel 4: Handwerkszeug oder der Kampf gegen den inneren Schweinehund 

Ich arbeite gerne an einem aufgeräumten Schreibtisch – für die äußere Ordnung musste ich aber erst mal für eine innere Ordnung sorgen. Wo wollte ich meine Geschichte ansiedeln? Die Entscheidung war recht schnell getroffen: in meiner sehr geschätzten Wahlheimat Wiesbaden, die mich bis heute mit ihren prachtvollen Altbauten und historischen Villengebieten begeistert, die aber auch als konservativ und überaltert gilt – also genau die richtige Kulisse für eine „provozierende“ Liebesbeziehung. 😉

Wie sollten die Hauptpersonen heißen? Deren Namen fielen mir quasi zu – die Protagonistin sollte Marie heißen, der Protagonist Jan-Josef. (Letzteres blieb nicht so, dazu später mehr). Als nächstes legte ich seitenweise Biografien aller Figuren an (Name, Aussehen, Charaktereigenschaften, Gewohnheiten, Vorlieben – unbedingt nötig, um den Überblick übers „Personal“ zu behalten und um eindeutige Charaktere zu schaffen). Dann erstellte ich einen detaillierten Zeitplan (auch das erwies sich im Nachhinein als äußerst nützlich), denn der Plot, das war mir schnell klar, sollte sich über mehrere Jahre hinziehen. Und dann schrieb ich und schrieb ich und schrieb ich. Das hört sich einfach an, wurde aber immer wieder von tiefsten Zweifeln unterbrochen – kann ich das, schaffe ich es, über einen ganzen Roman hinweg den Spannungsbogen zu halten, sind die Charaktere glaubwürdig? Und will ich das überhaupt – Stunde um Stunde am Schreibtisch sitzen, obwohl die neu gewonnene Freiheit nach langen, harten Berufsjahren lockte, der Garten nach mir rief, das Fahrrad einladend am Zaun lehnte, das erste Enkelkind behütet und bewundert werden wollte ? Ich blieb dran und das rechnete ich mir hoch an. Doch immer wieder kam mir das Leben dazwischen: alte Eltern, junge Enkel, der ganz normale Alltag mit Dreck in der Wohnung, Unkraut im Garten, Arztterminen und was es sonst noch so alles an Dingen gibt, die einen zielsicher vom Schreibtisch fern halten. Vom inneren Schweinehund mal ganz zu schweigen. Aber schon in einem recht frühen Stadium merkte ich, wie ich mich organisieren musste, wenn ich das Ding jemals zu einem Ende bringen wollte. Davon nächstes Mal mehr.

Der Weg zum eigenen Buch – 3

Kapitel 3: Los geht’s oder Fragen über Fragen

Als ich im Rahmen meines Fernstudiums Belletristik aufgefordert wurde, einen Romananfang zu schreiben, verfasste ich folgenden Text: Eine knapp vierzigjährige Frau erzählt ihren Freunden, dass sie im Job einen dreizehn Jahre jüngeren Mann kennengelernt hat und dabei ist, sich in ihn zu verlieben. Mitsamt der teilweise harschen und entmutigenden Reaktionen der Freunde. Die Lektorin fand das Thema spannend und ermutigte mich weiterzumachen. Ich setzte mich also eines Tages feierlich an meinen Schreibtisch, öffnete den Laptop, legte eine Datei mit einem Arbeitstitel (Ein ungleiches Paar) an und begann mit der Arbeit an meinem ersten Roman. Das ist jetzt fast vier Jahre her!

Manche Tage schüttelte ich den Kopf über das, was ich zu Papier gebracht hatte, an anderen Tagen dachte ich, ooch, das ist vielleicht doch nicht so schlecht. Den groben Bogen der Geschichte, den Plot, hatte ich schnell entworfen. Aber es galt viele Fragen zu klären: Wann und wo sollte die Geschichte spielen? Wie viele Charaktere würde ich benötigen, um die Reaktionen der Umwelt auf das Thema „Ältere Frau liebt jüngeren Mann“ glaubhaft darzustellen? Wie nah an unserer eigenen Geschichte durfte es sein? Welchen Namen sollten meine Protagonisten tragen? Die Antworten gibt es nächste Woche.

Der Weg zum eigenen Buch – 2

Kapitel 2: Ein Thema finden oder sieh, das Gute liegt so nah

Wie bereits erzählt: Sämtliche Themen für einen Roman, die mir in den Kopf kamen, erschienen mir schal und nicht interessant genug – zigmal gelesen, von anderen Autoren super verarbeitet oder mit so anspruchsvoller Recherche verknüpft, dass ich es mir nicht zutraute – alles habe ich wieder verworfen. Bis mir eines Tages die Idee kam, die Geschichte einer Liebe zwischen einer älteren Frau und einem jungen Mann zu schreiben. Hierzu konnte ich doch etwas sagen! Da wusste ich doch, wie man sich fühlt in solch einer Konstellation. (Ich bin mit einem dreizehn Jahre jüngeren Mann verheiratet). Aber natürlich gab es auch Zweifel. Schließlich wollte ich keinesfalls eine Autobiografie schreiben. Dennoch: Das Thema setzte sich bei mir durch. Denn die Konstellation ältere Frau und jüngerer Mann erregt nach wie vor Aufmerksamkeit und Stirnrunzeln, vor allem, wenn der Altersunterschied mehr als fünf Jahre beträgt. Der umgekehrte Fall wird in der Regel problemlos akzeptiert, dem älteren Mann sogar häufig attestiert, dass er ein toller Kerl sei, während bei der älteren Frau die seltsamsten Motive vermutet werden. Ein Roman zu diesem Thema war einfach fällig! Im nächsten Beitrag erzähle ich euch, wie es dann wirklich losging.

Der Weg zum eigenen Buch – 1

 

Kapitel 1: Die Anfänge oder warum Lernen immer Sinn macht.

Diesen Sommer wird es passieren: Mein erster Roman wird erscheinen. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass der Weg zum eigenen Buch so lang und steinig ist. Viele Menschen würden gerne ein Buch schreiben und so mag es einige von euch vielleicht interessieren, etwas zum Werdegang (m)eines Romans zu lesen. Ich werde kapitelweise berichten. Heute geht es los mit den Anfängen – wie sich das gehört.😊

Schon als kleines Mädchen hatte ich den Traum, ein Buch zu schreiben. Rudimentäre Aufzeichnungen, in eselsohrige Kladden geschrieben, habe ich neulich beim Aufräumen wiedergefunden – zum Glück war niemand dabei – es waren beschämende Versuche. Als Kind habe ich die übliche Mädchenliteratur verschlungen: Trotzkopf, Hanni und Nanni, Pucki unser Mütterchen (Hilfe, was für ein Titel!!!), aber auch Fünf Freunde, nahezu alle Bände von Karl May und andere Abenteuergeschichten. Ich habe gelesen, gelesen, gelesen, aber nach den kläglichen ersten Versuchen das Thema Romanschreiben erst mal ad acta gelegt. Die große Freude am Umgang mit Worten und am Verfassen von Texten ist mir über all die Jahre jedoch geblieben. Und nach dem Ende der Berufstätigkeit lebte der Traum vom eigenen Buch wieder auf, drängender denn je zuvor.

Zum Glück war ich so schlau, zunächst ein Fernstudium Belletristik zu absolvieren. Hatte ich ursprünglich gedacht, nach Germanistikstudium und viel Textarbeit in meinen Berufsjahren bräuchte ich das vielleicht gar nicht, so wurde ich bald eines besseren belehrt – ich habe seeeeehr viel gelernt und schnell begriffen, dass Schreiben nicht gleich Schreiben ist. Und einen Roman zu verfassen es wirklich in sich hat. Aber genau das wollte ich nun! Doch worüber sollte ich schreiben? Kein Thema sprang mich wirklich an. Bei einer Freundin habe ich gejammert: Ich würde ja schreiben, wenn ich nur wüsste, worüber. Danke, Heike, für deine Geduld und die Ermutigung! Bis ich dann eines Tages die zündende Idee hatte. Darüber mehr beim nächsten Mal! (Das nennt man Cliffhanger😉)

„Unsere wunderbaren Jahre“, von Peter Prange

1948, Währungsreform in Deutschland. Sechs Freunde aus Altena im Sauerland erhalten ihre vierzig DM „Kopfgeld“. Sie sind jung und voller Aufbruchstimmung. Welche Träume werden sie verwirklichen und welche Hoffnungen werden sich erfüllen? Prange begleitet die sechs Haupt-Akteure von 1948 bis 2016 durch die wechselvolle Geschichte Deutschlands. Er verknüpft die persönlichen Schicksale mit dem Zeitgeschehen: Wiederaufbau, Umgang mit den Verbrechen der Nazi-Zeit, Eintreffen der ersten Gastarbeiter, Bau und Fall der Mauer, Einführung des Euro, …

Der eindeutig interessanteste Lebensweg ist der von Tommy, der sich als intelligenter, smarter Typ vom System der DDR blenden lässt und erst Jahre später das Unrechtsregime als solches erkennt.

Stilistisch, na ja. Die Sprache ist teilweise schlicht und in Ansätzen kitschig. Manche Nebenfiguren sind arg stereotyp angelegt, die meisten Hauptfiguren bleiben eher blass. Ab und an gibt es seeeerhr lange Sätze, bei denen ich mich nach einem Punkt sehnte. Aber: Prange schreibt auch sehr süffig, man kann sich richtig in die Story reinfallen lassen. In kurzen bis sehr kurzen Kapiteln (sehr häufig mit Cliffhanger) springt Prange von Person zu Person; im Fokus stehen die drei Schwestern Ruth, Ulla und Gundel und die Freunde Tommy, Bernd und Benno. Sie alle werden ihr Leben lang auf die eine oder andere Art und Weise miteinander verbunden bleiben. Vieles erinnerte mich an das eigene Erwachsenwerden und den (manchmal mühsamen, meist schönen) Weg durchs Leben. „Unsere wunderbaren Jahre“ ist ein Schmöker mit ein bisschen Geschichte und viel Zeitkolorit, also nette Unterhaltungsliteratur!

„Raumpatrouille“, von Matthias Brandt

Der (völlig zu Recht😊) beliebte Schauspieler erzählt aus seiner Kindheit in der damaligen Hauptstadt Bonn. Die prominente Familie lebt in einem „zu großen, weißen Haus, in dem wir alle uns so leicht verpassten.“ Die Hausangestellten und das Sicherheitspersonal sieht Brandt häufiger als seinen Vater Willy. Über ihn schreibt er nicht viel, aber die wenigen Szenen sind anrührend und eindrücklich zugleich. Seine Mutter Rut nimmt etwas mehr Raum ein, da fallen dann so schöne Sätze wie: „Mein Lächeln hätte alles Mögliche bedeuten können, das hatte ich mir bei meiner Mutter abgeguckt.“

Brandt erzählt von seiner kurzen Karriere als Ersatz-Torwart, von einem missglückten Ausflug zur Kirmes, von einer Übernachtung bei seinem Freund, bei der er eine ihm völlig fremde, geordnete und spießige Welt kennenlernt. Die vierzehn Geschichten lesen sich allesamt locker, und sie sind teilweise sehr witzig, aber es schwingt auch oft Trauriges mit, Wehmütiges. Die Übernachtungsstory hat mich sehr berührt. Ich kann das Erzählte gut mit dem erwachsenen Schauspieler in Einklang bringen.

Bei der Lektüre fühlte ich mich oft zurückversetzt in die eigene Kindheit mit ihren vielen Rätseln, intensiven Gefühlen und Geheimnissen. So findet Brandt auf dem Nachttisch seiner Mutter das Simmel-Buch „Niemand ist eine Insel.“ Und fragt sich, für mich nachvollziehbar:„Wenn niemand eine Insel war, wer war dann dieser Niemand?“

Das Büchlein bietet also beides: Erinnerungen an die eigene Kindheit und Eintauchen in das Leben eines kleinen Jungen, dessen Vater zufällig gerade Bundeskanzler ist. Von mir aus hätten es noch viel mehr Geschichten sein können. Und ich werde wohl zukünftig noch lieber Filme mit Matthias Brandt anschauen. 😊

„Blind Date mit der Liebe,“ von Kari Lessir

Das Buch behandelt ein interessantes Thema – die Liebe zwischen einer 51+XieF6-kLSehenden und einem Blinden. Die (mir persönlich bekannte) Autorin hat zum Buch selbst auch eine spannende Geschichte erzählt, dazu später mehr. Zum Inhalt: Nina, eine selbstbewusste, sportliche Frau Anfang Dreißig, kollidiert beim Joggen mit einem Mann, der sie energisch zusammenfaltet – was sie nicht bemerkt: er ist blind. Als sich die beiden kurz darauf abermals begegnen, wird ihr das aber schnell klar. Obwohl Jan ihr sympathisch ist, lässt sie sich nur zögernd auf eine Verabredung mit ihm ein. Zu viele Fragen sind damit verknüpft. Kann sie sich wirklich eine Beziehung mit einem Blinden vorstellen, mit jemandem, der auf ihre Hilfe angewiesen ist? Hat sie sich nicht immer einen richtigen Kerl gewünscht, einen, an den sie sich anlehnen kann?

Auch Jan, der – dank großartiger Unterstützung seines Bruders und mithilfe seines Blindenhunds Linus – im Alltag inzwischen gut zurechtkommt, ist unsicher, fühlt sich aber von Nina sehr angezogen. Als die beiden eine vorsichtige Annäherung wagen, kommt es zu dramatischen Ereignissen, die die schwierige Ausgangssituation noch einmal erheblich verschärfen.

Machen wir Sehenden uns über die praktischen Schwierigkeiten eines Blinden schon keine Vorstellung, so erst recht nicht über das Gefühlsleben. Die mit der Behinderung verbundenen Ängste, Unsicherheiten und Befürchtungen bringt Lessir uns gut näher, auf unterhaltsame, flott geschriebene Art und Weise. Ebenso die Aufgaben eines Blindenhunds, Linus schließt man schnell ins Herz.

Die Autorin hat erzählt, dass sie das Buch vor vielen Jahren unter anderem Titel veröffentlicht hat: Aus dem Blick – ein Titel, der mir sehr gut gefällt. Bei „Blind Date mit der Liebe“ gehen bei mir andere Lampen an. Aber unter dem neuen Titel (allerdings auch mit neuem Cover und inhaltlich überarbeitet) verkauft sich das Buch viel besser. Da wüsste man doch zu gern, wo dran es nun genau gelegen hat …

 

„Die Spuren meiner Mutter“, von Jodi Picoult

 

Toll, ein Buch von Jodi Picoult, das ich noch nicht kenne! So dachte ich, als ich in der Stadtbibliothek „Die Spuren meiner Mutter“ entdeckte. Sehr 4107vgqqwil-_sx313_bo1204203200_interessant sind (fast) alle Passagen, in denen es um die Elefanten geht; und es steckt mit Sicherheit aufwändige Recherche dahinter – ich wünschte, ich hätte all diese Kenntnisse über Elefanten gehabt, bevor wir seinerzeit in Namibia waren. Aber das ist auch so ziemlich das einzig Positive. Nachdem ich mich bis zur Hälfte (505 Seiten!) durchgemüht habe, wurde es im zweiten Teil besser – aber nicht wirklich gut. Vor allem das Ende ist ein ärgerlicher Twist, bei dem ich mich als Leser veräppelt fühle.

Wenn man bis zum Ende der Geschichte durchhält, versteht man, warum Picoult dem Verhalten der Elefanten einen so großen Stellenwert gibt – aber es ist (mir) alles eine Spur zu gedrechselt, zu langatmig – und in Anbetracht ihrer super Romane (Beim Leben meiner Schwester, Neunzehn Minuten) fand ich diesen einfach nur enttäuschend. Ich bin ärgerlich auf mich, dass ich bis zum Schluss durchgehalten habe, und auf die Autorin, dass sie ein Buch mit solchen Längen vorlegt, neben den erwähnten anderen Schwächen.

„Vom Ende der Einsamkeit“, von Benedict Wells


Es ist schon ziemlich lange her, dass mich ein Buch so (zu Tränen) gerührt hat.

Wie Wells es schafft, seine traurige Geschichte so enden zu lassen, dass man das Buch zum Schluss nicht imagestraurig weglegt, das ist großartig. Selten habe ich das Nebeneinander von Leben und Tod so eindrücklich empfunden. Es geht um nicht mehr, aber auch nicht weniger, als um die Fülle des Lebens. Also auch um eine große Liebe.

Die drei Geschwister Marty, Liz und Jules, der jüngste, der Ich-Erzähler, müssen den frühen Unfalltod ihrer Eltern verkraften. (Kein Spoiler: steht auf dem Umschlagtext.) Aus einer behüteten, glücklichen Kindheit werden sie jäh herausgerissen. Sie kommen zwar auf dasselbe Internat, werden sich aber doch immer fremder. Jeder der drei versucht auf seine Weise, mit dem Verlust der Eltern klarzukommen. Hilfe werden sie sich erst sehr viel später geben können. Doch bis dahin passiert noch so einiges …

Wells erzählt in einfacher, oft geradezu poetischer Sprache. Als ein Beispiel eine schöne Passage über den Vater: Das Geheimnis war seine Stimme: nicht zu sanft, nicht zu tief, nicht zu hoch, sein Akzent nur angedeutet, wie ein unsichtbares Lasso legte sie sich um seine Zuhörer und zog sie näher zu sich heran.

Das Buch entwickelt einen regelrechten Sog. Eine ergreifende Geschichte, ein wunderbarer Familienroman, traurig wie tröstlich zugleich. Lesen!